Kennen Sie Ihre ...

individuelle Entzündungsneigung?

Entzündungen im Körper spüren Sie über Schmerzen, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit oder auch über leichtes Fieber. Entzündungen entwickeln sich dann, wenn das Immunsystem auf „Eindringlinge“ wie Bakterien oder Viren, aber auch auf Fremdstoffe wie zum Beispiel Allergene oder Umweltschadstoffe reagiert. Eine Immunantwort auf derartige „Eindringlinge“ ist normal. Bei Viren oder Bakterien wäre ein Überleben ohne eine Entzündung gar nicht möglich. Allerdings muss jede Entzündungsreaktion nach einer gewissen Zeit auch wieder gebremst werden, um eine Überentzündung oder chronische Entzündung zu vermeiden.

Eine Entzündung darf nur so stark sein, wie es der Reiz erfordert.

Die Entstehung und der Verlauf einer solchen Entzündung werden durch Zytokine gesteuert. Das sind Botenstoffe, die zwischen den Immunzellen ausgetauscht werden. Die entscheidenden entzündungsfördernden Zytokine sind Interleukin 1 (IL-1) und TNFα. Der wichtigste Gegenspieler ist der IL1-Rezeptorantagonist IL1RA, der zeitversetzt ausgeschüttet wird und die Entzündung wieder bremst.

Auf ein und den selben Reiz reagiert jeder Mensch individuell stark. Diese individuelle Entzündungsbereitschaft ist genetisch bedingt.

Einige Menschen tragen genetische Konstellationen, die zu einer überschießenden Entzündungsreaktion führen. Diese Patienten haben eine deutlich erhöhte Entzündungsneigung und leiden daher auch eher an chronischen Entzündungen. Genetische Varianten können zu einer Überentzündung führen. Diese Patienten neigen zu chronischen Entzündungen.

Genetische Risiko-Varianten sind keinesfalls selten. Über 30% der Bevölkerung tragen die Varianten im IL1-Gen und bis zu 20% im TNFα-Gen.

Kann man die individuelle Entzündungsneigung untersuchen lassen?

Ja. Mit einem modernen Test können heute alle vier für die Entzündungsantwort wichtigen Genvarianten bestimmt werden. Diese sind IL1α, IL1β, TNFα und der Gegenspieler IL1RA.

Aus diesen vier genetischen Risikofaktoren kann die individuelle Entzündungsneigung von Grad 0 (geringe Entzündungsneigung) bis 4 (deutlich erhöhte Entzündungsneigung) ermittelt werden. Für Ihren Arzt ist es wichtig zu wissen, welcher Entzündungsgrad bei Ihnen vorliegt. Der Test stellt eine wichtige Grundlage für die Auswahl von Diagnostik- und Behandlungsmaßnahmen dar.

Der Entzündungsgrad ist für alle Entzündungsherde im Körper von Bedeutung.

Als Entzündungsreize können neben Bakterien, Viren und Pilzen auch Autoantigene und jede Art von Fremdpartikeln (z.B. von Zahnersatzmaterialien oder Titanoxid) wirken. Personen mit genetisch bedingter „überschießender“ Entzündungsantwort neigen bei all den genannten Reizen zu häufigeren und heftigeren Reaktionen. Dadurch besteht die Gefahr einer chronischen Entzündung. Daher wird es mit zunehmendem genetischen Entzündungsgrad immer wichtiger, dass einerseits bestehende Reize, wie z.B. Herdgeschehen (Infektion), eliminiert werden und andererseits Zahnersatzmaterialien einschließlich Implantate vor dem Einsatz auf ihre individuelle Verträglichkeit vor dem Einbringen getestet werden.

Auf ein und den selben Reiz reagiert also jeder Mensch individuell stark. Das Wissen, welchem Grad Ihre Entzündungsantwort entspricht, ist für Ihren behandelnden Arzt oder Zahnarzt eine wichtige Grundlage für die Auswahl von Diagnostik- und Therapiemaßnahmen.


Die Untersuchung kann problemlos aus einem Mundschleimhautabstrich oder auch aus Blut durchgeführt werden. Ihre individuelle genetische Entzündungsneigung muss nur einmalig bestimmt werden, da genetische Faktoren sich während des Lebens nicht ändern.


Information für gesetzlich krankenversicherte Patienten:

Einige medizinische Leistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen ohne entsprechende Zusatztarife nicht mehr übernommen. Dazu gehören nahezu sämtliche moderne medizinische Laboranalysen, welche im Zusammenhang mit Parodontalerkrankungen, Zahnersatzmaterialunverträglichkeiten und Implantationen erbracht werden. Ihr behandelnder Arzt bzw. Zahnarzt wird Sie beraten, ob die entsprechende Analyse in Ihrem Fall erforderlich ist. Wenn Sie sich für die Untersuchung entscheiden, werden Ihnen die Kosten privat in Rechnung gestellt.


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