Ganzheitliche Kieferorthopädie

Ganzheitliche Medizin gibt es schon sehr lange. Schon der griechische Arzt Hippokrates hatte bereits vor 2500 Jahren festgestellt:„ Das Teil kann nur vom Ganzen her geheilt werden".

In der ganzheitlich orientierten Medizin wird eine Erkrankung nicht isoliert betrachtet. Ebenso betrachtet man auch in der ganzheitlichen Kieferorthopädie eine Kieferfehlstellung nicht als ein vom Gesamtorganismus getrenntes Geschehen. Die Bionatortherapie wurde von Prof. Dr. Dr. Wilhelm Balters (1893-1973) entwickelt und durch seinen Schüler Dr. Christoph Herrmann fortgeführt und konsequent weiter ausgebaut.

Die Bionatortherapie ist keine lokale Behandlung, die sich mechanischer Zwänge oder lokal eingreifender, physikalischer Kräfte bedient. Sie ist eine kieferorthopädische Einflussnahme, die sich auf den gesamten Menschen erstreckt. Sie hat Einfluss auf Atmung und Ernährung, auf Haltung und Stoffwechsel, auf die Bewegung von Blut und Lymphe und auf die gesamte körperliche und seelische Welt des Menschen.

Man darf die Zähne oder den Kiefer nicht vom Gesamtorganismus getrennt betrachten, sondern sollte immer den Zusammenhang zum Organismus sehen.


Es gibt funktionelle Zusammenhänge zwischen Kiefer und Zähnen und dem Gesamtorganismus:


1. Das Gebiss steht in Beziehung zu den Organen und Körperabschnitten:

2 .Der Mundraum hat funktionelle Beziehungen zu anderen Körperbereichen, wie dem Hals-, Brust-, Bauch- und Beckenraum. Bedeutung der Mundraumfunktionen:

Der Mund ist nicht bloß ein mechanisches Kauwerkzeug. Er ist weit mehr als ein Organ zur Aufnahme von Nahrung. Der Mund versetzt uns in die Lage, Sprache zu bilden, zu kommunizieren. Er ist das Ausweichorgan für die Atmung, wenn die Nase alleine die Sauerstoffversorgung nicht gewährleisten kann.

Eine Einengung des Mundraumes führt zu einer schlechteren Entwicklung des Nasenraumes, einer weniger ausgeprägten Nasenatmung und somit zu einer schlechteren Brustraumentwicklung, da das Zwerchfell nicht stark genug aktiviert wird. Genauso verhält es sich, wenn bei falscher Zungenlage kein Wachstumsimpuls auf den Oberkiefer erfolgt.

Die Entwicklung der Stirn- und Kieferhöhlen in Zusammenhang mit der Mundraumentwicklung:

Gestörte Mundraumfunktionen stehen mit anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Zusammenhang. Dazu zählen Begleiterscheinungen wie: Mundatmung, HNO-Probleme, verminderte Infektabwehr, Leistungsabfall, Lernprobleme, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, schlaffe Mund- und Körperhaltung, herabgesetzte Abbeiß-, Kau- und Schluckfunktionen und folglich Störungen der Eßgewohnheiten, der Verdauung, der Sprache und des Verhaltens.

3. Über die Halswirbelsäule steht das Gebiss bis hin zu den Füßen in Beziehung.

Die Zähne bilden einen Teil des Skelettsystems. Passen die Zähne nicht exakt zusammen, wie es bei Kieferfehlstellungen immer der Fall ist, entsteht ein Ausgleichseffekt durch die ganze Haltungskette. Es kommt zu einer Kettenreaktion, da der Körper versucht sich anzupassen. Dies betrifft Muskeln im Hals, im Rücken und sogar im Becken, den Beinen und den Füßen.

Es bestehen Zusammenhänge zwischen Kieferstellungen (Rück-, Regel- und Vorbiss) und der Wirbelsäulenstellung:

Tief- und Rückbiss

Eine Rücklage des Unterkiefers ist häufig mit einer Lordose der Halswirbelsäule und der Lendenwirbelsäule kombiniert. HWS-Lordose bedeutet aber auch Abknickung des Kreuzbeines und damit Inklination des Beckens, deren Folge eine falsche Stellung von Knien und Füßen ist.

Bei einer HWS-Lordose findet sich auch ein Stau im hinteren Gaumenanteil, der seinerseits wieder einen Stau im Nasenboden bedingt, welcher Atem behindernd wirkt. Haltung und Atmung sind so innig miteinander verbunden, dass man kaum von der einen sprechen kann, ohne die andere erwähnen zu müssen. 

Tief- und Rückbiss:
Steht oft im Zusammenhang mit einer Lordose der HWS und LWS

Vorbisstendenz:
Milchgebiss: Zähne stehen in Kontakt. Anzeichen für spätere Engstände im bleibendem Gebiss, Tendenz zum Vorbiss steht im Zusammenhang mit einer Kyphose.

Kreuzbiss:
Eine Abweichung des Unterkiefers zu einer Seite (z.B. beim Kreuzbiss) steht in vielen Fällen im Zusammenhang mit einer Skoliose und einem Beckenschiefstand, was wiederum eine unterschiedliche Beinlänge vortäuscht und somit zu einer Fehlbelastung der Fußsohlen und Fersen führt.

Offener Biss und Mittellinienabweichung:
Offener Biss steht häufig im Zusammenhang mit einer Zungenfehlfunktion, einer falschen Atmung, oder einem Habit. In der ganzheitlichen Kieferorthopädie wird der Mundraum dreidimensional entwickelt, somit wird die Wirbelsäule auch mitbehandelt. 

4. Der Energiehaushalt des gesamten Organismus hat Einfluss auf alle Gebisserkrankungen.

Die Stoffwechselvorgänge im Gesamtorganismus, die ausreichende Zufuhr von Energie spendenden Stoffen (überwiegend aus der Nahrung gewonnen), der entsprechende Abbau und die Entsorgung der Abbauprodukte über das Lymphsystem haben Einfluss auf alle Gebisserkrankungen.
Häufig begünstigt eine Übersäuerung im Gewebe Kieferverformungen.

5. Psychosomatische Störungen äußern sich in gestörten Reflexabläufen und bewirken funktionelle Regulationsstörungen.


Psychischer Druck kann zum Beispiel zu einer Daueranspannung der Kaumuskulatur führen und Zähne durch übermäßigen Druck in eine abnorme Stellung bringen.

6. Die Psyche kann über das Bewusste und das Unterbewusste die Aktivität der Körperzelle beeinflussen (I.H. Schultz).

Schlussfolgerung:
Wenn man all diese Zusammenhänge betrachtet, ist es einleuchtend, dass man nach den Ursachen der Kieferanomalie forschen muss und wenn möglich diese auch behandeln muss.
„Kieferanomalie ist nie ein eigenständiges Krankheitsbild, sondern nur das Symptom einer umfassenden Krankheit des Trägers." Prof. Balters

Entstehen der Anomalien:
Durch die zuvor genannten Zusammenhänge der Zähne mit dem Organismus ergibt sich, dass die Ursachen für Kieferdeformationen nicht nur in organischen Krankheiten oder Energiemangelzuständen zu suchen sind, sondern auch in seelischen Disharmonien.

Eine traumatische Geburt kann z.B. die Kiefer-Gesichts-Region dauerhaft deformieren. Ungenügendes Stillen kann zu Kieferrücklagen führen. Falsche Ernährung und schädliche Gewohnheiten können auch Ursache von Zahn- und Kieferfehlstellungen sein.

Nach Balters spielt die Psyche eine große Rolle bei der Ausbildung von Zahnengständen. Balters behauptete, dass jeder Zahnfehlstellung eine psychische Komponente zugrunde liegt.

Indikation:
Eine Bionator-Behandlung ist immer angezeigt, wenn es um Störungen zwischen der Innen- und Außenwelt geht. Man kann deshalb die Indikationsbreite sehr weit fassen. Von den Kieferverformungen bis zu Kopfschmerzen, von der Parodontose bis zur Atemstörung, Störung im Reflexgeschehen und im psychosomatischen Bereich. Man kann Rückenschmerzen, Muskel- und Nackenschmerzen, Schmerzen und Knacken im Kiefergelenk behandeln.


Apparaturen der ganzheitlichen Kieferorthopädie:

Alle Apparaturen der ganzheitlichen Kieferorthopädie sind nur Hilfsmittel, die die körpereigene Heilung begünstigen und erleichtern sollen. Darum sind alle Apparate, die in der ganzheitlichen Kieferorthopädie als Hilfsmittel verwendet werden, nur ein kleiner Teil der Therapie. Zur Verwendung kommen in der ganzheitlichen Kieferorthopädie vor allem der BIONATOR und die CROZAT-APPARATUR. Beide Geräte sind keine fixen und starren Apparaturen, die ausschließlich Druck- und Zugkräfte auf die Zähne ausüben, sondern es sind herausnehmbare Apparaturen mit biologischer Wirkungsweise.

Der Bionator

Der BIONATOR liegt, im Gegensatz zu den meisten mechanisch wirkenden Geräten, locker im Mund des Patienten. Er darf nicht drücken, klemmen oder den Patienten in irgendeiner Weise behindern. Die Lippen sollten beim Tragen des Bionators geschlossen sein, der Patient sollte durch die Nase atmen. Der BIONATOR wird regelmäßig eingeschliffen, um bestmögliche Wirkung zu erzielen, darum sind regelmäßige Kontrollen unbedingt erforderlich. Kontrollen finden alle 6-8 Wochen statt.

Wirkung des Bionators

Mit der Normalisierung der Muskel-Funktion (Orthofunktion) normalisiert sich auch die Gebiss-Form (Orthognathie). Mit dem Bionator werden die Reflexabläufe geändert. Der Bionator bewegt keinen Zahn, aber er verändert alle Mundbewegungen. Da die meisten Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien (Kieferverformungen) mit beengten Raumverhältnissen der Mundhöhle einhergehen, muss zunächst Raum geschaffen werden. Durch die Mundraumeinengung steht nur noch ein geschmälerter Schluck-, bzw. Sograum zur Verfügung.

Durch den Bionator werden Unterdruckbereiche geschaffen, wodurch Sogkräfte entstehen. Die entstehende Sog-Kraft-Steigerung wirkt sich günstig auf die Durchströmung der zahlreichen in Zellnähe befindlichen Blut- und Lymphgefäße, besonders im Mund- und Rachenraum, aus. Die Umbauprozesse der Knochen- und Weichgewebe sind unmittelbar auf die versorgenden und entsorgenden Fließeigenschaften der Körpersäfte (einschl. Speichel) angewiesen, welche durch den Bionator gefördert werden.

Der Patient lernt richtig zu schlucken, richtig zu atmen, besser zu kauen und zu sprechen. Schon beim Einsetzen des Gerätes wird z.B. ein tiefer Überbiss ausgeglichen, indem der zurückliegende Unterkiefer eine Vorverlagerte Stellung einnimmt.

Der Patient lernt richtig zu schlucken, richtig zu atmen, besser zu kauen und zu sprechen. Schon beim Einsetzen des Gerätes wird z.B. ein tiefer Überbiss ausgeglichen, indem der zurückliegende Unterkiefer eine Vorverlagerte Stellung einnimmt.

Neben dieser Rückbisskorrektur wird gleichzeitig die tiefe Bisslage korrigiert. Die damit einhergehende Änderung der Kopfhaltung führt zu einer Aufrichtung der Halswirbelsäule.

Der Patient heilt sich selbst, denn sein Bionator kann und darf nichts weiter, als einfach passiv „da" zu sein. Damit ist schon alles über sein orthopädisches Grundprinzip gesagt: Nichts machen, sondern möglich machen, dass der Patient angemessen auf das Gerät reagiert, indem er sich zu optimalen Mundbewegungen führen, stützen, stimulieren und motivieren lässt.

Vielfältige Symptome werden oftmals unbeabsichtigt gelindert oder gar beseitigt. Dazu gehören:

Verdauungsstörungen, Atemwegserkrankungen (z.B. Bronchitiden, Asthma, chronische Entzündungen des Hals-Nasen- und Rachenraumes, des Mittelohrs und andere Infekte), Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates (Muskeln, Knochen, Gelenke), sowie Störungen im geistig-emotionalen und Nervenbereich (Kopfschmerzen, Lernprobleme, u. a. Mangel an Konzentration, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Ausdauer, Gemütsschwankungen, Nervosität, Aggressivität, Unsicherheit, Ängstlichkeit, mangelndes Selbstbewusstsein).

Die Crozat-Apparatur

Bei der Crozat-Apparatur handelt es sich um einen skelettierten Bionator, die ebenfalls zu einer Verstärkung der Mundraumentwicklung beiträgt, aber zusätzlich noch bei Einzelzahnbewegungen und vor allem zur Lückenöffnung zum Einsatz kommt. Die CROZAT- Apparatur ist ebenfalls ein herausnehmbares Behandlungsgerät. Die Wirkungsweise besteht darin, dass die CROZAT- Apparatur in allen Dimensionen des Raumes die Zähne in ihrer Stellung verändern kann.

Die Zierlichkeit der CROZAT- Apparatur gibt der Zunge freien Raum und beeinträchtigt weder das Sprechen, noch die Zungen- oder Schluckfunktion. Die Elastizität des Zahnhalteapparates bleibt erhalten, der Knochen, alle beteiligten Muskeln und Bänder, das Bindegewebe, der Kauvorgang und die Atmung werden bei der Veränderung mit einbezogen.

Die Zähne bewahren ihre Eigenbeweglichkeit, da nur punktförmige Zahnkontakte vorliegen.

Kontrollen finden alle 4 Wochen statt.

Die CROZAT- Apparatur ist in vielen Fällen auch eine herausnehmbare Alternative zu den festsitzenden Behandlungsgeräten (Brackets). Die Anwendung des CROZAT- Gerätes ist etwa bis zum 60. Lebensjahr möglich.

Behandlungsalter

Die Kieferanomalie wird als Fehlentwicklung einer körperlichen Disharmonie gekennzeichnet. Daher sollte, sobald sich eine Kieferfehlstellung oder die Zeichen einer gestörten Dynamik im Mundbereich bemerkbar machen, mit der Behandlung begonnen werden. Das kann schon ab dem 4. Lebensjahr sein. Eine kieferorthopädische Behandlung ist solange möglich, wie eine Umformungsmöglichkeit durch körpereigene Kräfte gegeben ist. Durch Verwirklichung dieses Prinzips gelingt es auch beim Erwachsenen durch Beseitigung der vorliegenden Hemmungen, Regulierungen durchzuführen.

Aber auch schon vor dem 4. Lebensjahr kann man durch geeignete Begleittherapien die Kinder unterstützen:

  • Drehung des Kopfes zu einer Seite
  • Kreuzbiss im Milchgebiss


Die Behandlungsdauer

Die Forderung, vor einer ganzheitlichen Behandlung festzulegen, wie lange der Patient zu seiner Gesundung braucht, ist nicht möglich. Mit der Einleitung einer kieferorthopädischen Behandlung muss auf die Regelung der Lebens- und Wachstumsvorgänge Rücksicht genommen werden. Jede zielgerichtete Steuerung ist daher biologischen Gesetzen untergeordnet. Deshalb kann eine Kieferregulierung nicht zu Soforterfolgen führen: Sie ist keine Schnellbehandlung! Die Behandlungsdauer hat sich den naturgegebenen Entwicklungsrhythmen und Reifebedingungen des Organismus anzupassen.

Kein Patient gleicht dem anderen, ebenso wie sich jede Kieferfehlbildung von den anderen unterscheidet. Verlauf, Dauer und Erfolg hängen von einer Reihe besonderer Umstände ab:
vom Lebensalter des Behandelten, von der Gewebsreaktion des Knochens und der Muskulatur, von der unterschiedlichen Durchbruchszeit einzelner Zähne, von der häuslichen Führung und Betreuung, von etwaiger Unterbrechung der Behandlung, von der Einhaltung der vorgesehenen Behandlungstermine und Befolgung der aufgegebenen Verordnungen, besonders also von einer Bereitwilligkeit und sorgsamen Mitarbeit des Patienten.

Es wird so verständlich, dass keine bindenden Voraussagen über die Dauer und das Endergebnis der Kieferregulierung gemacht werden können. Erfahrungsgemäß sind aber, bei fleißiger Mitarbeit und entsprechendem Interesse für die Erfüllung der Vorbedingungen, die Gesundheit des Gebisses und die Erhaltung des Zahnbestandes unter normalen Verhältnissen gesichert. In der Regel kann man davon ausgehen, dass eine Behandlung 4 Jahre dauert.

Behandlungsziel

„Der Patient ist Arzt, der Arzt ist sein Gehilfe." Paracelsus

Nicht das Bewegen von Zähnen, sondern die Stimulation und Steuerung der Mundbewegungen sollte die Hauptaufgabe des ganzheitlichen Kieferorthopäden sein!

Wir lassen die körpereigenen, individuellen Bilde- und Gestaltungskräfte wirken. Daher können wir „nur" ein Gebiss erhalten, das der arteigenen Möglichkeit entspricht. Von einem Samenkorn kann ich nur das erwarten, was es an Entfaltungskräften in sich trägt. Es darf kein „Hollywood-Gebiss" erwartet werden, sondern das individuelle Optimum wird erreicht.

Das Ziel ist also kein Einheitsgebiss, sondern das individuelle Optimum ist das jeweils Beste für den Einzelfall. Was nützt z.B. eine Extraktionstherapie, wenn sie den Wert eines Zahnes nur in der Perfektion von Reih und Glied gelten lässt und dafür vitalen Funktionen wie dem Halten, Stützen, der Beziehung zu Organen, zum Körperschema und zum Bewusstsein Schaden zufügt? Extraktionen sind nicht immer vermeidbar, aber sie werden oft zu leichtfertig vorgenommen. Dabei wird oft übersehen, dass fehlende Zähne grundsätzlich eine Gefahr für das Kiefergelenk und die Entwicklung des Gesichts- und Atemschädels darstellt. Das Ziel der Behandlung ist die Entwicklung einer optimal großen Mundhöhle und die Entfaltung des verformten Gebisses zu seiner individuellen Form.

Die ganzheitlich ausgerichtete Kieferorthopädie verhindert nicht nur Gebisskrankheiten in der Wachstumsperiode, sondern auch im Erwachsenenalter, wie z.B. Myoarthropathien (Erkrankungen der Kiefergelenke und des Bewegungsapparates mit Schmerzen, Geräuschen und Bewegungsstörungen), oder sie wird als Begleittherapie bei der Parodontose-Behandlung eingesetzt.

Aufrichtung und Haltung können durch gesunde Bissverhältnisse unterstützt werden und dem Bewusstsein mehr Halt, Sicherheit und Selbstvertrauen vermitteln. Ein schönes funktionsfähiges Gebiss lässt sich nicht machen, sondern muss durch Eigenleistung erworben werden. Arzt und Patient sind durch geteilte Verantwortung aufeinander angewiesen. Je besser die Motivation durch den Therapeuten, desto stärker der Wille des Patienten zur Mitarbeit und desto größer der Erfolg.

Gesundheit ist ein Geschenk, das täglich neu erworben werden muss. Sie setzt eine Leistung voraus, ohne die sie nicht existieren kann. Form ist immer Ausdruck von Funktion, kann niemals als fest gegeben angesehen werden. Form muss sich „in Form halten", sonst geht sie verloren.


Der Unterschied zur Schulmedizin

Das Besondere der ganzheitlichen Kieferorthopädie gegenüber den bislang üblichen Verfahren liegt vor allem darin, dass nicht nur und ausdrücklich mechanische Prozesse und Veränderungen des Kiefers bewirkt werden sollen, sondern dass dem Patienten bewusst gemacht wird: Hier geht es in erster Linie um ihn selbst, um sein ICH. In seiner Hand liegen Erfolg und Misserfolg. Ohne sein Wollen, sein Geschehenlassen und seinem Mithelfen kann es keine Veränderung geben.

In der klassischen Kieferorthopädie, d.h. in der Schulmedizin, werden die Kieferanomalien mit Druck- oder Zugkräften reguliert. Das kann sowohl mit losen Apparaturen, als auch mit festen Spangen geschehen. Zu 90% kommt die Multiband-Behandlung bei den Patienten zum Einsatz. Nach der Behandlung müssen die erreichten Ergebnisse retiniert, d.h. stabilisiert werden, um keine Rezidive (Rückfälle) zu bekommen. Es handelt sich um eine Symptombehandlung.
Bei massiven Engständen der Zähne werden oft gesunde Zähne gezogen und mit festen Apparaturen die Lücken geschlossen.

Im Gegensatz dazu liegt der Schwerpunkt der ganzheitlichen Kieferorthopädie darauf, den Kiefer in seiner Entfaltung zu unterstützen und durch die positive Beeinflussung aller Mundraumfunktionen eine strukturelle Anpassung zu erreichen. Bei einem rechtzeitigen Behandlungsbeginn können dann häufig alle Zähne ihren Platz im Kiefer finden und es müssen keine Zähne gezogen werden. Das erreichte Ergebnis muss nicht retiniert, d.h. gehalten werden.

Vor- und Nachteile der ganzheitlichen Kieferorthopädie:

Die Vorteile der ganzheitlichen Kieferorthopädie:

  1. Therapie des ganzen Menschen nicht nur des Symptoms
  2. Durch die Entwicklung des gesamten Mundraumes kommt es zu einer verbesserten und richtigen Nasenatmung und damit zu einer Stärkung des Immunsystems.
  3. Der Bionator wird im Allgemeinen gerne getragen.
  4. Durch den frühzeitigen Behandlungsbeginn können die Wachstumsschübe optimal ausgenutzt und gesteuert werden.
  5. Zahnextraktionen werden durch die Mundraumentwicklung so gut wie immer vermieden.
  6. Es gibt keine Rezidive
  7. Durch Platzbeschaffung stellen sich sogar die Weisheitszähne häufig in die Zahnreihen ein.

Die Nachteile der ganzheitlichen Kieferorthopädie sind:

  1. Gleichmäßige Zahnreihen und Bissverhältnisse sind nicht immer identisch mit den vom Patienten gewünschten ästhetisch perfekten Gebiss.
  2. Einige wenige Fälle sind mit der ganzheitlichen Kieferorthopädie nicht therapierbar.
  3. Die Behandlung wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.
Bionator-Behandlung Crozat-Behandlung Multiband-Behandlung
Herausnehmbares Gerät Herausnehmbares Gerät Festsitzendes Gerät
Beginn: sobald sich eine Kieferanomalie oder Funktionsstörung zeigt. Das kann ab dem 4. Lebensjahr sein Bei Bedarf ergänzend zur Bionatorbehandlung Beginn: in der Regel 9.-11. Lebensjahr, es gibt einige Ausnahmen wo eine interzeptive Frühbehandlung notwendig ist
Behandlungsergebnis ist abhängig von einer guten Mitarbeit Behandlungsergebnis ist abhängig von einer guten Mitarbeit Man ist nicht auf eine gute Mitarbeit angewiesen -abgesehen von der Zahnpflege
Keine Kraftausübung auf Zahn und Kiefer Leicht mechanische Wirkung, eher als Reiztherapie zu sehen Bewegung der Zähne mit Kraft
Entspannung der gesamten Kopf- und Halsmuskulatur Keine Blockade des Cranio-Sacralen Systems Kann zu Verspannungen führen (z.B. Kopfschmerzen durch Blockade des Cranio-Sacralen Systems)
keine Schädigung des Zahnhalteapparates, kaum schädigende Nebenwirkungen keine Schädigung des Zahnhalteapparates, kaum schädigende Nebenwirkungen Gefahr der Schädigung des Zahnhalteapparates (Wurzelabbau), Zahnschmelz, Gelenke
Förderung der Nasenatmung Förderung der Nasenatmung Beibehalten der falschen Atmung
sehr gute Mundhygiene (keine Karies) sehr gute Mundhygiene (keine Karies) Schlechte Mundhygiene, hohe Kariesanfälligkeit
Gute Ästhetik Gute Ästhetik (Gerät kaum sichtbar) Schlechte Ästhetik
Weitgehender Verzicht auf Extraktionen gesunder Zähne Weitgehender Verzicht auf Extraktionen gesunder Zähne Bei Engständen häufig Ex-traktionen von Zähnen notwendig
niedrige Rückfallquote aufgrund der angeregten Selbstregulation Geringe Rückfälle Häufige Rückfälle der Behandlung, Ergebnis muss retiniert werden
mehr Wohlbefinden, kaum noch Schmerzen Schmerzfreiheit während der Behandlung Durch die Kraftanwendung auch Schmerzen möglich
Kein Lymphstau in Kopf- und Halsregion kein Lymphstau in Kopf- und Halsregion Lymphstau durch erhöhten Gewebsdruck
Förderung des regelrechten Wachstums Förderung des regelrechten Wachstums Ausformen der Kiefer nach Normwerten
Ganzheitliche Begleittherapien notwendig ganzheitliche Begleittherapien notwendig Keine Begleittherapien notwendig

Begleittherapien

Je nach Diagnose und Ausprägung des Befundes muss die ganzheitliche Behandlung mit den Geräten durch Begleittherapien unterstützt werden. Die Auswahl der jeweiligen Therapien richtet sich nach dem Behandlungsverlauf.
Mögliche Begleittherapien sind z.B.:

Osteopathie, Cranio-Sacral-Therapie, Lymphtherapie (manuell oder homöopathisch), Magnetfeldtherapie, Lüscher- Farbtest, Kinesiologische Testverfahren, Padovan- Übungen, Physiotherapie, Haltungs- und Lockerungsübungen, Myofunktionelle Therapie, Logopädie, Regulierung der Atmung, Ernährungsberatung, Psychohygiene (Schaffung eines harmonischen Umfeldes in Familie, Schule und Gesellschaft) und Akupunktur, Homöopathie, Bachblüten etc.

In der ganzheitlichen Kieferorthopädie ist es vor allem wichtig fachübergreifend mit anderen Ärzten und weiteren Therapeuten zusammenzuarbeiten.

Myofunktionelle Therapie

Wie schon erwähnt, hat die Zungenlage eine zentrale Bedeutung beim Wachstum der Kiefer und für die Korrektur der Zahnfehlstellung. Durch entsprechendes Training und Üben der richtigen Zungenlage können Zahnfehlstellungen, wie der offene Biss, beseitigt werden. Dem Patienten wird zunächst die korrekte Zungenfunktion bewusst gemacht, er bekommt Hilfestellungen für Übungen zu Hause, um danach die korrekte Zungenfunktion in den unbewussten Bewegungsablauf zu integrieren. Im Rahmen der BIONATOR- Therapie stellt diese Behandlung eine wertvolle Unterstützung dar.

Atemtherapie

Die richtige Atmung hat entscheidenden Einfluss auf das Wachstum des Patienten. Die Atemschulung wirkt sich auf viele Körperfunktionen positiv aus. Vor allem die Körperhaltung, die Sauerstoffversorgung und die Herz- und Kreislauftätigkeit werden mit einer richtigen Atmung positiv beeinflusst. Mit dem ersten Atemzug beginnt ein Prozess, der uns im Wechsel von Ein- und Ausatmen die Grundfunktion des Stoffwechsels deutlich macht: Lebenswichtiger Sauerstoff wird aufgenommen, verbrauchtes Kohlendioxyd ausgeschieden. Ohne das Gleichgewicht dieses Prozesses können wir nicht leben. Leiden die Zellen an Sauerstoffmangel, werden wir krank.

Ernährungsberatung

Die Ernährung trägt viel für die Gesundheit unseres Organismus bei. Durch die Überbewirtschaftung aller Böden enthält unsere Nahrung sowieso schon weniger Spurenelemente, als das früher der Fall war. Zugleich werden kaum noch Nahrungsmittel in unverändertem Zustand verzehrt. Die meisten Nahrungsmittel sind in irgendeiner Form schon oxidiert worden. Das heißt, es stehen damit dem Organismus weniger wertvolle Energieressourcen zur Verfügung. Die Fähigkeit des Organismus, Energie aufzunehmen, ist immer abhängig von der Qualität des Angebotes von außen.

Die Störung des Säure-Basen-Gleichgewichts ist ursächlich an der Entstehung unserer Zivilisationskrankheiten, wozu auch Kieferverformungen gehören, beteiligt. Eine überwiegend basische Ernährung und Lebensweise sorgen für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt, der für die Erhaltung der Gesundheit und Vitalität von grundsätzlicher Bedeutung ist. Ausgebildete Gesundheitsberaterin in unserer Praxis ist Helga Kruse.

Lymphtherapie

Das Lymphgefäßsystem ist Teil des Grundsystems und eines der wichtigsten Systeme des Organismus: Es befördert Nährstoffe zu den Zellen und beseitigt schädliche Stoffwechselendprodukte aus den Zellzwischengeweben.
Um die Normalisierung des im Rahmen einer Fehlstellung vorliegenden gestörten Lymphabflusses zu erleichtern, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Sie alle steigern den Lymphabfluss, da der Bionator nicht immer alleine in der Lage ist, den Lymphstau zu beseitigen.