Was versteht man unter Piezo-/Ultraschallchirurgie?

Die Piezochirurgie wird zu Recht als sanfte Zahnchirurgie bezeichnet. Anstelle von rotierenden und oszillierenden Instrumenten bildet Ultraschall die Basis für das schonend arbeitende chirurgische Instrument. Das mit Ultraschall arbeitende Instrument ermöglicht dem Chirurgen eine äußerst präzise Schnittführung ohne den Aufbau von zu hohem Druck auf den Knochen. Da die Schneidekraft des Piezoeffektes ausschließlich auf dem Knochen wirksam wird, ist das Verfahren für das umliegende Weichgewebe und die angrenzenden Blutgefäße äußerst schonend.

Wie funktioniert die Ultraschallchirurgie?

Die Piezochirurgie basiert auf einer modulierbaren Arbeitsfrequenz von 24 bis 29,5 KHz.

Die chirurgische Besonderheit ist der selektive Schnitt, unter dem eine gezielte Hartgewebspräparation unter gleichzeitiger Schonung des Weichgewebes vorgenommen werden kann. So kann das Risiko der Verletzung anatomischer Strukturen deutlich minimiert werden.

Wo kommt die Piezochirurgie zum Einsatz?

Ultraschallchirurgie

Grundsätzlich ist es sinnvoll, bei jedem zahnchirurgischen Eingriff eine möglichst knochen- und gewebeschonende Methode anzuwenden. Gleichzeitig sollte die emotionale Belastung des Patienten so weit wie möglich reduziert werden. Argumente, die für den Einsatz der Piezochirurgie sprechen, wann immer dessen Anwendung möglich ist. Bei nachfolgenden Indikationen für die Ultraschallchirurgie besitzen die Schonung der vorhandenen Knochensubstanz und die Herabsetzung des Risikos von Verletzungen des umliegenden Weichgewebes und der angrenzenden Blutgefäße eine hohe Priorität:

  • Zahnextraktion mit einer minimalinvasiven Durchtrennung des Faserapparates: Von Bedeutung ist in diesem Fall die knochenschonende Extraktion, um optimale Voraussetzungen für eine spätere Versorgung mit Implantaten oder prothetischen Alternativen zu gewährleisten.

  • Bei der Implantatbettaufbereitung kann durch den Einsatz der Piezochirurgie oft auf die Durchführung eines zusätzlichen Knochenaufbaus verzichtet weden.

  • Sinusliftpräparationen bei seitlichem Zugang und Intralift vor Implantationen.

  • Augmentation (Knochenspangewinnung)
    Gewinnung von Knochentransplantaten zum vollständigen oder teilweisen Aufbau des Kieferknochens.

Wie erfolgt der Einsatz in der Kieferchirurgie?

Wie bei der herkömmlichen Methode mit Fräsen und Bohrern wird die Piezochirurgie ausschließlich unter lokaler Betäubung durchgeführt. Diese ist zur Schmerzausschaltung zwingend notwendig. Alternativ wird mit dem Patienten eine Behandlung unter zusätzlicher Sedierung vereinbart. Die Zahnmedizin verwendet für dieses innovative Verfahren das sogenannte Piezotome. Es weist eine sehr feine, oft auch diamantierte Schnittfläche auf. Diese ermöglicht äußerst präzise Schnitte am Knochen und gewährleistet den höchstmöglichen Erhalt an Knochensubstanz. Zusätzlich stehen weitere Arbeitsspitzen zur Verfügung, die behandlungsabhängig zum Einsatz kommen.

Die Vorgehensweise beim Eingriff ist vom Grundsatz her ähnlich der Methoden mit herkömmlichen Instrumenten und immer abhängig davon, welche chirurgische Maßnahme gesetzt wird.

Die Ultraschallchirurgie ist jedoch, wie bereits erwähnt, die schonendere Methode, die in der Lage ist, aufwendige Folgebehandlungen zu verhindern.

Welche Vorteile bietet die Piezochirurgie?

Piezo-/Ultraschallchirurgie

Wundheilung im Mundraum. Die innovativen Vorteile dieser minimalinvasiven Operationstechnik bestehen in der selektiven Schnittführung und der damit verbundenen Schonung für das umliegende Weichgewebe. Durch die Schonung des umliegenden Gewebes wird der postoperative Wundschmerz deutlich reduziert und die Wundheilung beschleunigt. Daraus resultiert ein geringeres Wundinfektionsrisiko.

Durch die Durchführung äußerst präziser Schnitte wirkt sich die Piezochirurgie schonend auf die Knochensubstanz aus, da sie die Entnahme exakt geschnittener Transplantate gewährleistet. Ein wichtiges Argument bei bereits zurückgebildeten Bereichen des Kieferknochens.

Für den Patienten entfällt die emotionale Belastung durch das oft starke Druckgefühl durch Fräsen oder Bohrer sowie die hohe Geräuschentwicklung dieser Instrumente. Dadurch verliert die Behandlung vor allem für Angstpatienten einen Teil ihres Schreckens.